Der glücklichste Mensch der Welt

Bist du glücklich?

Diese Frage stelle ich eigentlich nur selten jemanden. Meist fragt man den anderen lieber, wie es ihm geht und ob alles OK ist. Warum eigentlich nur OK –  ist das nicht fast ein bisschen wenig? Oft ist ein „Wie geht’s?“ auch nicht mehr als eine Standardfloskel so wie es die Amerikaner gerne tun. Beim ersten Mal antwortet man vielleicht noch auf das freundliche „Hi how are you?“, bis man peinlich berührt feststellt, dass es eigentlich keinen interessiert. Es ist höflich und freundlich, erntet aber irritierte Blicke, wenn man die Frage auf der Straße oder im Supermarkt an der Kasse wirklich beantwortet. Bei unseren liebsten Mitmenschen meinen wir diese Frage hoffentlich ernst und erwarten uns auch im Gegenzug ehrliche Antworten, aber fragen ob jemand glücklich ist? Wohl eher selten.

Auf der Suche nach dem Glück

Aber warum denn eigentlich nicht? Ist dies nicht die entschiedenste Frage oder geht es im Leben gar nicht darum, glücklich zu sein? Allerdings stellt man sich die Frage bewusst oder unbewusst selbst immer wieder. Meist sind es entscheidende Wendepunkte im Leben, an denen wir mit dieser Frage versuchen, die richtige Entscheidung für unsere Zukunft treffen. Mir geht es dabei oft so, dass ich die Antwort aber nicht sofort geben kann. Bin ich denn glücklich? Oder bin ich einfach nur nicht unglücklich? Desto mehr ich darüber nachdenke und nach Antworten suche, desto mehr Fragen stelle ich mir. Was bedeutet glücklich zu sein? Was bedeutet es nicht? Manchmal befinde ich mich in einem undefinierbaren Zustand, in dem ich mich nicht über das Geringste beklagen könnte, aber Vieles einfach wie ein Filmabspann an mir vorüber zieht. Ohne viel Emotion. Ohne Freudensprünge, ohne Herzklopfen, ohne die Fassung zu verlieren. Es scheint, als würde mich mein Gewissen tadeln: „Freu dich, aber bitte leise.“ Und dann gibt es Momente, in denen mich das Bewusstsein mit voller Wucht trifft und ich vor Glück platzen, in die Luft springen und tanzen könnte. Momente, in denen mich Kleinigkeiten unglaublich beeindrucken und es Nichts braucht, um glücklich zu sein. In diesen Momenten merke ich, es braucht so wenig und doch ist es für uns so schwierig.

Bei meiner Suche nach Antworten auf meine Fragen, bin ich kürzlich auf den glücklichsten Mann der Welt gestoßen. Zu mindestens sagt das Google. Auch wenn Matthieu Ricard das mit Sicherheit nie selbst von sich behaupten würde, war ich neugierig, was dieser Matthieu in seinem Buch über das Glück zu sagen oder besser gesagt zu schreiben hat. Eines weiteres Buch habe ich ebenfalls beim Stöbern entdeckt und da der Winter die ideale Zeit birgt, um sich am Abend gemütlich mit einem Buch zurückzuziehen und ein bisschen über das Leben nachzudenken, habe ich 2 schöne Buchtipps für euch.

Buchtipps zum Glück

Glück

Glück – von Matthieu Ricard

Es ist nicht einer dieser Ratgeber, die einem auf 5 Seiten sagen, wie du schnell und einfach glücklich wirst. So als wär‘ Glück mal eben was, was man sich aus dem Supermarktregal holt (ok manchmal vielleicht in Form von Schokolade oder einer guten Flasche Wein, aber das fällt wohl trotzdem nicht wirklich unter die Kategorie Glück, von der wir hier sprechen). Nein, das Buch nimmt dich mit auf eine Reise zu dir selbst. Es zwingt dich an einigen Stellen über dich selbst und dein Leben nachzudenken (ob es dir gefällt oder nicht) und es ist schnell klar, dass glücklich sein kein Kochrezept ist.

Matthieu beschreibt in seinem Buch auch ganz gut, warum wir immer wieder Glück mit Vergnügen und Freude verwechseln und warum Vergnügen und Freude zwar zu Glück führen können, aber doch ganz etwas Anderes bedeutet. Vergnügen ist meist nur ein zeitlich begrenzter, individueller Moment der voll und ganz von Zeit, Raum und dem eigenen Empfinden abhängig ist. (hier sind wir wieder bei der Schokolade und beim Wein aus dem Supermarkt). Manchmal kann Vergnügen auch negativ umschlagen, egoistisch sein und nimmt dabei wenig Rücksicht auf das Glück anderer Menschen. (Wenn wir um kurz vor 20:00 Uhr noch schnell in den Supermarkt flitzen, weil wir unbedingt noch Schokolade brauchen und die Dame an der Kassa schon längst nach Hause will.)  Der Ansatz von wahrem Glück ist ein anderer, ein viel tieferer. Glück ist unabhängig von äußeren Einflüssen und beruht auf einer inneren Balance. Auch hat dieses sehr wohl mit dem Glück unserer Mitmenschen zu tun und ist in keiner Form egoistisch. Die schwierigste Frage allerdings lautet – wie kommt man schließlich zu diesem „Glück“? Dass es sich bei Glück nicht um puren Zufall handelt, sondern, dass man glücklich sein schlicht und ergreifend erlernen kann, ist der wichtigste Aspekt in seinem Buch. Ich persönlich finde Matthieus Buch eine sehr interessante Mischung aus persönlicher Geschichte, viel Lebenserfahrung und spannenden Aspekten aus Philosophie und Religion. Eine Geschichte über einen Menschen, der seine erfolgreiche Karriere als Forscher und sein bisheriges Leben in Paris an den Nagel hing, um noch in jungen Jahren nach Indien zu ziehen. Als buddhistischer Mönch fand er plötzlich das, was in seinem Leben bis zu diesem Zeitpunkt immer gefehlt hatte.

Die 7 Geheimnisse der Schildkröte –  Aljoscha Long und Ronald Schweppe

Das 2. Buch ist ebenfalls passend zum Thema, unterscheidet sich aber grundlegend von jenem Buch von Matthieu. Ja, der Titel hört sich am Anfang fast ein bisschen süß an und könnte auch der Titel eines Kinderbuches sein. Das ist auch irgendwie das Besondere an diesem Buch und hat mich nach anfänglichen Zögern schließlich zum Kauf bewegt. Trotz der leichten Verständlichkeit und den etwas kindlich veranschaulichten Passagen aus Sicht der Schildkröte, bringt es einem immer wieder zum Schmunzeln.  Man findet sich ständig selbst in den Beschreibungen und auch dieses Buch lenkt den Fokus durch Übungen immer wieder auf das eigene Leben. Es ist weder oberflächlich noch zu kindisch und beschreibt meiner Meinung nach sehr schön, was Zeit, Genügsamkeit, Gelassenheit und Wandlungsfähigkeit mit Glück zu tun haben. Der schöne Lesefluss führt einen sanft und ohne Langeweile aufkommen zu lassen durch das Buch. Ich denke, dass es wichtig ist, sich manche Punkte regelmäßig vor Augen zu halten und sich immer wieder einmal zurück auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu besinnen. Und wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, haben diese Nichts mit Geld, Macht oder Konsum zu tun und ja ich glaube auch, glücklich sein kann man lernen. Auch wenn es jeden Tag nur ein kleines bisschen mehr ist.

…und was ich dich immer schon einmal fragen wollte – bist du denn glücklich?

Ich wünsche euch viel Spaß beim Schmökern und viele Glücksmomente.

Eure Lisa

 

Quelle:

Ricard Matthieu: Glück, Paris: Knaur Taschenbuch 2009, Seite 43-67

Long Aljoscha,  Schweppe Ronald, München : Random House 2010

 

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