Island zwischen Feuer und Eis – Teil II

Abenteuer Island – Norden und Osten

Schon in meinem ersten Blogbeitrag über Island habe ich versucht, meine Begeisterung für diese unglaubliche Insel mit euch zu teilen. Nun folgt wie versprochen Teil 2 meines Islandabenteuers. Neben einer wunderschönen Vegetation und einer atemberaubenden Landschaft, sollte ich auf dem 2. Teil meiner Reise vor allem noch mit vielen schönen Momenten beglückt werden.

23 Island route

Quelle: Googlemaps , 30.10.16

Von unserem letzten Ausgangspunkt Höfn starteten wir in Richtung Seydisfjördur.
Desto weiter man Richtung Norden kommt, desto stärker spürt man den Wetterumschwung. Um unser finales Reiseziel Seydisfjördur zu erreichen, mussten wir einen kleinen Gebirgspass inklusive Schnee überqueren. Schnee im Juni, das war mir neu. Im Fährenhafen angekommen, war ich allerdings etwas enttäuscht. Das Dorf bestand aus ein paar Häusern und die Aufmerksamkeit richtete sich primär auf die große Fähre, die gerade angelegt hatte (meiner Meinung nach das einzige Highlight dort). Unser Hostel als Unterkunft war auch nicht so ganz das Wahre und wirkte von außen ein bisschen wie die Villa Kunterbunt von Pippi Langstrumpf (allerdings in einer heruntergekommenen Version). Unser Zimmer war ziemlich klein und alt, aber zum Glück gab es kein Stockbett. Allerdings war ein weißer Vorhang alles, was die Helligkeit in der Nacht abhalten sollte und somit strahlte die Sonne um 3 Uhr Nachts munter durch unser Fenster. Schön, aber zum Schlafen der Horror. Wir konnten es kaum erwarten, in der Früh endlich aufzubrechen und unser Abenteuer fortzusetzen. Sydisfjördur war uns einfach etwas zu klein, beengend und durch den Gebirgspass komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Ich würde daher allen anderen lieber eine Unterkunft in Egilsstadir empfehlen. Dies erspart auch den Weg über den Gebirgspass.

Borgarfjörður

Die weitere Reise hatte aber ein paar Highlights zu bieten. Unter anderem den idealen Ort, um Papageientaucher (Puffins) zu sehen. Borgarfjörður ist ein ganzes Stück mit dem Auto zu fahren, und gegen Ende geht die asphaltierte Straße in eine Schotterstraße über. Diese war aber auch mit einem Fahrzeug ohne Allrad gut zu bewältigen. Den Besuch des Vogelfelsens war die Strecke jedoch wert und wir konnten die süßen Papageientaucher aus nächster Nähe betrachten und fotografieren. Auch war dies der einzige Ort mit einem beheizten Toilettenhäuschen. Nachdem mir der Wind um die Ohren pfiff, wollte ich da am liebsten erst gar nicht mehr raus. 😉

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Namaskard

Namaskard ist ein großes Schwefelfeld, aus dem dampfend und zischend Gase emporsteigen. Dieses sollte man sich nicht entgehen lassen (sofern man den permanenten Geruch nach Schwefel ertragen kann). Die unterschiedlichen Farben und die dampfenden heißen Quellen des Schwefelfeldes sind wirklich beindruckend. Allerdings habe ich jetzt noch den penetranten Schwefelgeruch von damals in meiner Nase, wenn ich daran denke.

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Hverfjall und Dimmuborgir

Hverfjall im Norden Islands ist ein großer Vulkankrater, der mich wirklich beindruckt hat. Mit dem richtigen Schuhwerk (und dieses sollte auf Island generell nicht fehlen), kann man den ehemaligen Vulkan leicht erklimmen und auch umrunden. Die kleine Wanderung lässt sich auch ideal mit dem Tor zur Hölle (Dimmuborgir) verbinden, wenn man den Krater über den steilen und etwas schwierigeren Pfad verlässt. Umgeben von seltsamen Figuren aus Lavagestein und Gestrüpp bahnt sich ein kleiner Weg in Richtung Tor. Man fühlt sich an diesem Ort weit weg vom Rest der Welt und wie auf einem anderen Planeten. Hinter dem einen oder anderen Lavagestein könnte man auch einen Troll oder ein Fabelwesen vermuten und man versteht langsam, warum es so viele Geschichten von Feen und Trollen auf Island gibt.

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Husavik

Nach unserer Horrorunterkunft in Sydisfjördur fühlten wir uns in der nächsten wie im Paradies. Das liebevoll gestaltete Gästehaus ist der perfekte Ort, um ein paar Nächte dort zu verbringen. Mit besonderen Details und selbstgemachten Dingen, eigenem Hotpot und tollem Frühstück fühlt man sich dort wirklich willkommen. Auch die Gastfreundschaft war super und der nette Herr an der Rezeption gab uns tolle Tipps für unseren weiteren Reiseverlauf. Vom Gästehaus aus starteten wir zu meiner ersten Whale-Watching Tour meines Lebens nach Husavik. Auf einem Boot und in warme Ganzkörperanzüge gesteckt, ging es dann früh am Morgen auf das offene Meer, in der Hoffnung ein paar Wale zu Gesicht zu bekommen. Die ersten Buckelwale ließen auch nicht lange auf sich warten und wir bekamen zu mindestens ihre Flossen zu sehen. Dies sollte aber nicht die einzige Begegnung mit Walen sein. Schon am nächsten Tag, in einer abgelegenen Bucht, spritzte plötzlich circa 10 Meter von uns entfernt ein Wal munter das Wasser nach oben und zeigte sich ziemlich lange an der Oberfläche. Ein echt magischer Moment wie ich fand, der mein Herz für Tiere höher schlagen und meinen Respekt vor diesen schönen und gigantischen Tieren nur noch größer werden ließ.

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Akureyri

Akureyri ist die 2. Größte Stadt Islands und war nicht weit entfernt vom Gästehaus Skjaldarvik. Nach vielen Tagen Einsamkeit war dieses „Großstadtfeeling“ eine schöne Abwechslung. Mit mehreren Restaurants, einer kleinen Einkaufsstraße mit ein paar wenigen Geschäften und einem botanischen Garten fühlt man sich hier zurück in der Zivilisation. Trotzdem eine sehr schöne und überschaubare Stadt und einen Besuch wert, wenn man am Weg ist.

Hofsos

Von Akureyri geht es noch einmal ein ganzes Stück entlang der Fjorde (es gibt noch eine 2. Variante durch das Landesinnere), aber ich fand den Weg entlang der Küste wirklich toll. Unser netter Rezeptionist aus dem Guesthouse hat uns den Namen eines besonderen Schwimmbades aufgeschrieben, welches wir unbedingt besuchten sollten. In dem kleinen Ort Hofsos staunten wir schließlich nicht schlecht, als wir das ziemlich moderne und neue Schwimmbad zu Gesicht bekamen. Mit dunklen Betonwänden und viel Glas bot es eine herrliche Aussicht auf den Fjord. Wer nun glaubt, dass es sich dabei um ein Hallenbad im klassischen Sinn handelt, liegt falsch. In Island sind die sogenannten Hotpots aber auch die beheizten Außenbecken keine Seltenheit und so lässt es sich bei 6° Grad (mit Wind gefühlte -5°) wunderbar im warmen Wasser aushalten. Ja, gibt es bei uns auch, aber wie das bei einem Freibad so ist, gibt es nicht wie in der Therme bei uns einen Zugang zum Wasser von innen. Die paar Meter zum Becken muss man also frieren ;-). Die Aussicht und das warme Wasser war einfach der Hammer und ich bin richtig froh, dass wir diesen besonderen (absolut nicht touristischen) Ort entdeckt haben.

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Borgarvirki

Auf dem Weg Richtung Grundarfjörður gibt es eine schöne Aussichtsplattform namens Borgarvirki, die einen tollen Blick über die Landschaft erlaubt. Interessant war aber vor allem auch unsere Autofahrt dorthin. Die kleine Straße zur Plattform führte uns durch eine ganze Herde von Islandpferden und vor lauter Begeisterung sprang ich sofort aus dem Wagen. In den Unterkünften sammelte ich manchmal Zuckerwürfel, um die Pferde damit zu füttern. Am Anfang waren die Tiere noch recht zögerlich, aber die Neugier war schließlich stärker. So ließen sie sich dann auch streicheln und füttern. Allerdings waren sie von den Zuckerwürfeln nicht ganz so begeistert wie von den Gummiblättchen unserer Scheibenwischer und so schnell konnten wir gar nicht schauen, hatte sich eine ganze Herde Pferde um unser Auto versammelt. Nicht nur die Scheibenwischer, sondern auch die Fensterscheiben und das Dach wurde von den Pferdezungen erkundet. Schlussendlich half nur noch die Flucht und das vorsichtige Starten des Motors. Nach diesem Erlebnis, muss ich dann hoch und heilig versprechen, dass ich nun genug Pferdeabenteuer erlebt hatte, nach dem wir ein paar Tage zuvor schon durch den Sumpf gewartet, Pferden in Mitten der schwarzen Wüste begegnet, mich eines fast gebissen und nun auch noch unser Auto in Beschlag genommen wurde. Ab diesem Moment an habe ich die Pferde nur noch von der Ferne aus begutachtet 😉

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Hvitserkur

Dieser Basaltfelsen, welcher aus dem Wasser ragt, hat trotz seines Namens Elefantenfelsen weniger mit Tieren zu tun. Ganz einsam und stark trotzt er den Wellen und sieht dabei mit etwas Fantasie wirklich aus wie ein Tier. Auch wenn ich eher ein Nashorn in ihm gesehen habe. Wagt man sich den etwas rutschigen Pfad nach unten, kommt man sehr nahe an den Felsen heran. Auch habe ich ein paar schöne Muscheln als Andenken vom Strand mit nach Hause genommen.

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Bucht Dritvik

Nicht nur der schwarze Sandstrand lockt zu einem Besuch, nein – vor allem die rostigen Metallteile, die in der ganzen Bucht verstreut sind, machen diese Bucht so besonders. Die Teile eines Schiffes sind immer noch zu finden und bieten tolle Kontraste und Motive für Fotos. Irgendwie lustig, das gäbe es in vielen anderen Ländern bestimmt nicht.

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Bucht Ytri-Tunga
Zum Ende unserer Reise hin, war diese Bucht ein besonderes Highlight für mich. Insgesamt war ich an 2 Tagen dort, da wir bei unserem ersten Besuch des Nationalparks und unsere geplante Reiseroute, auf Grund eines heftigen Sturms abbrechen mussten und zurück in die Unterkunft sind. Am nächsten Tag, als der Sturm sich gelegt und Island wieder sanftmütig wurde, wusste ich schon bei meiner Ankunft, dass ich sie dieses Mal sehen würde. Ein Touristenpaar kam uns auf dem kurzen Weg zur Bucht entgegen und die Frau lächelte und sagte: “Heute sind sie da.“. Gemeint waren die Seerobben, die regelmäßig diese Bucht aufsuchen und sich am Rand auf den Steinen in der Sonne aalen. An diesem Tag waren viele dort und man kam sehr nah an die Tiere heran. Dutzende Fotos und ein strahlendes Gesicht später, war ich nun glücklich und zu frieden. Meine Tierdosis war nun endgültig erfüllt.

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Borgarnes

Die Stadt Borganes war schließlich unser letzter Halt auf der Reise bevor es weiter nach Reykjavik ging. Obwohl mich Museen meistens nicht so begeistern können, war der Besuch (das Alternativprogramm während der Sturm über Island fegte) wirklich spannend. Das Settlement Centre übermittelt auf sehr moderne und interaktive Art und Weise viele spannende Geschichten über die Entstehung, Bevölkerung und Entwicklung Islands und auch über die urspünglichen Wikinger. Auch das Restaurant „Vinkings“ dort bietet tolles Essen und ist einen Besuch wert.

Zusammenfassend kann ich nur sagen – es gibt noch so viele Dinge die ich dort gesehen habe und man sehen kann, so viele Geschichten zu erzählen, doch schlussendlich wünsche ich jedem, diese wundervolle Erfahrung selbst zu machen.

Eure Lisa

 

 

 

2 Comments

  • Tanja 30. Oktober 2016 at 20:04

    Ooochh…so cool!! Ich will nächstes Jahr auch unbedingt nach Island!! Weiss nur noch nicht genau wann! Waann genau warst du? Würdest du den Juni empfehlen oder wäre ein anderer Monat besser? Lg Tanja

    Reply
    • Lisa Mayrhofer 13. November 2016 at 15:59

      Hallo liebe Tanja,
      Island ist wirklich toll und ein fantastisches Reiseziel 🙂 Juni als Reisezeitraum kann ich auch wärmstens empfehlen, sofern du nicht ins Hochgebirge möchtest. Da liegt nämlich noch sehr viel Schnee, aber für eine Reise entlang der Ringstraße ist Juni super geeignet und vor allem noch nicht in der Hauptsaison.
      Falls du noch Tipps brauchst, jederzeit gerne 🙂

      Liebe Grüße

      Lisa

      Reply

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