Island – zwischen Feuer und Eis Teil I

Gedanken

Umso weiter man fährt, umso mehr Kilometer hinter einen liegen, desto ruhiger werden die Gedanken. Bis sie irgendwann leise und ohne weitere Aufmerksamkeit zu fordern, vorbeiziehen. Nicht nur die Bilder in deinem Kopf, sondern auch die Landschaft, die unendliche Weite draußen vor deinem Fenster gleitet vorbei und zeigt sich in all ihrer Vielfalt. Oft glaubt man für einen Moment, auf einem anderen Planeten zu sein und das Lavagestein, welches sich über den Horizont vor dir erstreckt, erinnert an einsame Mondlandschaften. Doch man fühlt sich nicht einsam, sondern langsam aber sicher, spürt man sich selbst wieder ein bisschen mehr. Der Wind, der dir vom dunkelblauen und endlosen Ozean den Duft von Salz in deine Nase steigen lässt und durch dein Haar fegt, weckt die Lebendigkeit in dir. Die Kälte auf deiner Haut, welche sich vom Gletscher in der Ferne langsam ausbreitet, friert dieses Gefühl und die Erinnerung ein – für immer.

Umso weiter man fährt, desto mehr spürt man die Ruhe und den Frieden, aber auch die Kraft und Energie, die scheinbar vom Mittelpunkt der Erde ausgehen und auf die große Insel wirken. Durch ein großes Gletschermassiv gespeist, stützen unglaubliche Wassermassen von steilen Felsklippen und bahnen sich den Weg durch mächtige Gesteinslandschaften. Zielstrebig und ohne zu zögern Richtung Ozean. Heiße Quellen und Schwefelfelder köcheln und brodeln geduldig vor sich und Geysire spucken immer wieder brennendheißes Wasser einige Meter in die Höhe. Auch das Wetter ist eine Naturgewalt, welche sich nicht zähmen lässt und tobt und wütet, wenn es ihr danach ist. Innerhalb von kürzester Zeit wird aus dem sonnigen und ruhigen Gemüt Islands eine stürmische, zornige und mit dunklen Wolken bedeckte Gestalt. Unerbittlich fegt der Wind über den schwarzen Sandstrand und die Graslandschaft und trägt alles mit sich, was keinen Halt findet. Auch die Sorgen und die dunklen Gedanken deines Herzens.

Umso weiter man fährt, umso mehr weiß man diese einzigartige Natur zu schätzen. Island zeigt sich in vielen Momenten auch von seiner sanften Seite und bringt nach dem Sturm einen großen bunten Regenbogen als Wiedergutmachung hervor. Der dich ständig begleitende Wind streift ruhig und entspannt über dein Gesicht und die ausgehende Hitze der heißen Bäder umhüllt dich mit wohliger Wärme und beruhigt Körper und Seele. Die endlosscheinende Straße weist dir den Weg auf deiner Reise. Eine Reise, die dir die Schönheit der Natur vor Augen hält und die Liebe zum Leben weckt.

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Eine Reise wie keine andere

Nach dieser Fußball-EM kennt sie wohl jeder. Dieses verrückte und leidenschaftliche Volk, welches sich zielstrebig und ehrgeizig zeigt und nebenbei trotzdem das friedlichste Land der Welt ist. Aber was steckt denn eigentlich hinter diesem speziellen Land – oder besser gesagt der Insel – Island? Zugegeben – ich liebe Sommer, Sonne, Stand und Meer. Ich fühle mich richtig wohl, wenn die Sonne auf mein Gesicht scheint und mein Gemüt erhellt. Ich liebe Palmen, Sand und glasklares Wasser. Schon aus diesem Grund ist mir Island nicht sofort als potenzielles Reiseziel in den Sinn gekommen. Allerdings haben mich schließlich Fotos, ein Fotovortrag und Reiseberichte von diesem außergewöhnlichen Land, dessen Orte man nicht aussprechen kann (und es auch nicht versuchen sollte) überzeugt. Während meiner Reise habe ich dieses Land mit all seinen Facetten lieben gelernt und ich bin immer noch überwältigt von meinen vielen Eindrücken, an den ich ein Jahr später, immer noch zehren kann. Ja, ich glaube ich traue mich sogar sagen, dass diese bis dato meine schönste Reise war.

Allerdings sollte man bei der Planung für Island einiges berücksichtigen:

Reisezeit

In den Sommermonaten wird Juni-September empfohlen. Wir haben uns bewusst für die Vorsaison und die ersten Juniwochen entschieden, um Island entlang der Ringstraße in Ruhe auf eigene Faust erkunden zu können. Die Vegetation im Juni hat sich entlang der Ringstraße zwar noch nicht ganz von den kalten Wintermonaten erholt, aber Island zeigte sich auch zu diesem Zeitpunkt in voller Pracht. Das Hochland ist in dieser Zeit jedoch noch nicht befahrbar.

Reisedauer

Um möglichst viele Eindrücke von diesem wunderschönen Land mitnehmen zu können, sollte man für eine Reise rundum die Insel circa 14 Tage (inklusive 2-3 Tage in Reykjavik) einplanen. Ich habe auch andere Reisende getroffen, welche eine kürzere Strecke und andere Route in 8 Tagen geplant hatten, jedoch kann ich 2 ganze Wochen nur wärmstens empfehlen. Es gibt schließlich so viele unglaubliche Dinge, die auch in 14 Tage nicht alle gesehen werden können.

Routenplanung

Einige Orte bestehen nur aus sehr wenig Häusern und manche Gegenden sind nur sehr spärlich besiedelt. Man sollte daher schon im Vorhinein die Route genau planen und sich überlegen, wie lange die Fahrtstrecke pro Tag sein sollte. Aus diesem Grund sollte auch die Reservierung und Buchung von Unterkünften bedacht werden. Wir haben alles bereits im Vorhinein gebucht und haben die Reise somit sehr stressfrei und entspannt empfunden. Empfehlungen der Unterkünfte:

Mietauto

Für eine Reise entlang der Ringstraße (ca. 95% asphaltiert) muss es nicht unbedingt ein Jeep oder ein Allradfahrzeug sein. Ein normaler Kompaktwagen ist prinzipiell ausreichend, solange man keine Abenteuer im Gelände geplant hat. Abenteuer erlebt man auf der Ringstraße, aber auch genug – keine Sorge 😉

Kleidung

Funktionale schichtweise Kleidung ist für Island ein Muss. Speziell eine wind- und wasserdichte Regenjacke, Fleecejacke, Primaloftjacke, Handschuhe und Kopfbedeckung, Treckingschuhe und Rucksack sollten dringender Bestandteil im Koffer sein. Ein guter Tipp: Besser genug warme Kleidung als zu wenig einpacken – der kalte Wind, der ständig über die Insel fegt, ist ein treuer Begleiter auf der gesamten Reise. Ja, an alle die es nicht glauben wollen, die kurze Hose kann auch im Sommer definitiv zu Hause bleiben. Dafür darf die Badehose oder Bikini mit, um den Reiz der warmen Quellen und Hotpots voll auszukosten. Allerdings sollte man für den Aufenthalt in den größeren Städten wie Reykjavik und Akureyri nicht nur funktionale, sondern auch Alltagskleidung einpacken, um für Restaurants und Lokale richtig – ja die Isländer mögen es auch schick- gekleidet zu sein.

Verpflegung

Prinzipiell ist Island reich an Quellen und ausgezeichnetem Trinkwasser. Wer im Supermarkt Wasserflaschen kauft, outet sich sofort als Tourist und wird von den Einheimischen eher schief angesehen oder wie in meinem Fall sogar freundlich darauf aufmerksam gemacht, dass dies reine Geldverschwendung ist ;-). Mein Tipp: ein paar Wasserflaschen kaufen und diese später mit frischem Quellwasser auffüllen. Besseres Wasser als auf Island gibt es wohl nirgends.

Allgemein sind Lebensmittel in Island eher teurer. Für Frühstück und Proviant während der Reise empfiehlt es sich in den Supermärkten Krónan, Nettó oder Bonus einzukaufen, die es in den größeren Städten meistens gibt.

Abenteuer Island – Der Süden

Unsere Route startete in Reykjavik, wo wir etwas außerhalb unsere erste Nacht in einem netten Guesthouse verbracht haben. Ein ausgewandertes sehr gastfreundliches Schweizer Ehepaar hat uns herzlich empfangen und hier haben wir bei stürmenden Regen die ersten Stunden bei Cappucino und Keksen verbracht. Das Wetter bereitete uns etwas Sorgen, aber unser Host meinte nur „Keine Sorge, das Wetter auf Island ist launisch. Morgen sieht das Ganze schon wieder ganz anders aus. Ihr werdet sehen.“ Er sollte recht behalten und am nächsten Tag, bei leckerem selbstgemachten Brot und vielen kleinen Leckereien, lächelte uns schon die Sonne an. Der Wind blieb und sollte uns auch die ganze Reise lang begleiten. Der Süden von Island hat sehr viele besondere Highlights zu bieten und war bestimmt einer der schönsten Teile der Reise.

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Golden Circle

Nicht weit von der Hauptstadt liegt der sogenannte Golden Circle und die damit bekannteste und meist besuchteste Route Islands. Dort liegen nicht weit von einander entfernt der Nationalpark, der bekannteste Geysir sowie einer der größten Wasserfälle. Ich muss gestehen, dass ich auf Grund der Beliebtheit wesentlich mehr Touristenmassen erwartet und zugleich sehr positiv überrascht war, dass im Verhältnis wenige Besucher dort waren. So konnte ich in Ruhe die Schönheit des Pingvellir Nationalparks aufnehmen und auch meine ersten Erfahrungen mit Wasserfällen und Geysiren machen. Strokkur, der größte Geysir, der verlässlich alle 3-5 Minuten ausbricht, ist gigantisch und definitiv ein Besuch wert. Auch der Wasserfall Gullfoss ist Teil der Route und ebenfalls sehr beeindruckend mit seinen vielen in sich stürzenden Wassermassen. Auf dem Weg nach Selfoss, dem nächsten Tagesziel, hielten wir noch bei dem Kratersee Kerid. Das türkisfarbene Wasser stand in einem sehr schönen im Kontrast zu dem rot-braunen Lavagestein und der kleine See kann einmal umrundet werden.

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Außerhalb der bekannten Touristenzone merkt man recht schnell, dass es ruhiger wird und man plötzlich fast gänzlich alleine unterwegs ist. Hier und da trifft man wieder ein paar andere Reisende – ab und zu die selben Gesichter. Ein unglaublich befreiendes Gefühl und viele Momente der Stille. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich an die vielen wunderschönen Eindrücke zurückdenke. Die nächsten Tage während meiner Reise sollte einige Highlights und auch das eine oder andere Abenteuer bescheren. Hier meine persönlichen, schönsten Eindrücke:

Seljalandsfoss

Ein fantastischer Wasserfall, an dem man hinten vorbei wandern und je nach Windrichtung auch ganz schön nass werden kann. Macht aber nichts, daran gewöhnt man sich recht schnell in Island.

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Skoggafoss und Skogamuseum

Weiter in Richtung Osten trifft man auf einen weiteren schönen Wasserfall Skogafoss und das nahgelegene Skogarmuseum. Ich war schon vor meiner Reise fasziniert von diesen süßen Häusern mit Grasdächern und alten Holztüren und dort im Museum findet man sie in voller Pracht.

 

Solheimasandur

Nun aber zu unserem ersten richtigen Abenteuer, welches Anfang noch recht unspektakulär begann. Auf Grund unseren Notizen waren wir am Weg nicht weit entfernt von der Küste auf der Suche nach einem alten Flugzeugwrack, welches von einem gestrandeten Militärflugzeug aus dem Weltkrieg stammt. Solheimasandur, nennt sich das gute Stück, welches jedoch nicht aus der Ferne ersichtlich ist. Laut unserer Infos gab es eine Schotterstrecke bis zum Wrack, die aber nur mit Allradfahrzeugen zu empfehlen ist. Wir hielten seitlich an der Ringstraße, wo bereits 2 andere Autos parkten und machten uns zu Fuß auf in Richtung Küste, die nicht weit entfernt schien. Wir gingen und gingen, bis wir vor lauter schwarzem Sand weder unser Auto noch die Küste mehr sahen. Nach einer guten dreiviertel Stunde, erschienen aus dem Nichts 4 isländische Pferde, die uns schließlich neugierig begutachteten und irgendwann wieder gemächlich davontrabten. Weit und breit aber kein Flugzeugwrack. Wir beschlossen den Rückweg anzutreten (nicht nur der Sand, sondern auch der Himmel war schon ganz schwarz), um es doch mit dem Auto zu versuchen. Aufgeben war keine Option. Nach circa 15 Minuten schweißtreibender Autofahrt auf Schotter und Geröll mit unserem Renault Megane (wir haben bereits ein Auto mit Platten auf dieser Strecke passiert), erreichten wir endlich das Flugzeugwrack. Zugegeben, es ist mit Sicherheit eine tolle Location für Fotos und hat auch etwas Unheimliches und Mystisches an sich. Rundherum der schwarze Lavasand – sonst nichts. Nach einer genauso schweißtreibenden Rückfahrt, konnten wir unser Glück kaum fassen, wieder auf der Ringstraße zu sein. Ob wir dieses Abenteuer aber noch mal auf uns nehmen würden, wage ich zu bezweifeln. Ich glaube auch, dass die Straße mittlerweile gesperrt ist. Aber immerhin wie der Isländer so schön sagt: we have good stories to tell ;-)

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Reynisfjarda & Dyrholey

Ich habe kaum so einen schönen Ort gesehen wie die 2 Buchten dort. Umgeben von einem schwarzen Sandstrand, einer stürmischen, rauen See und einer bedrohlich wirkenden, mystischen Stimmung war der Ort einfach wunderschön.  In der Bucht Reynisfjarda sind die perfekt geformten Basaltfelsen ein wirklicher Hingucker. Immer wieder erstaunlich, was die Natur so zaubert.

Dyrholey

 

Fjadrargljufur

Die 2 km lange Schlucht wäre ein perfekter Drehort für die Herr der Ringe- Saga und manchmal fühlt man sich so, als würden hinter der nächsten Ecke Elfen oder Hobbits auf einen warten. Leider muss ich euch enttäuschen, ich habe keine gesehen. Das hat sich wohl auch der Herr Justin Bieber gedacht und die Schlucht neben weiteren spannenden Orten in einem seiner Musikvideos als Drehort verwendet. Auch wenn ich kein eingefleischter Justin Bieber Fan bin, eines muss man ihm lassen, Geschmack hat er was den Drehort betrifft. Ein wunderschöner Ort und wärmstens zu empfehlen.

Fjardragljufur

 

Skaftafell

Für den Nationalpark Skaftafell inklusive Svartifoss und Gletscher sollte man zu mindestens ein paar Stunden einplanen. Vom relativ großen Parkplatz aus empfehle ich zuerst die Wanderung zum Gletscher, der wirklich beeindruckend ist (ca. 30 Minuten). Zurück zum Parkplatz und dann die andere Richtung einschlagend, führt ein sehr schöner Wanderweg bis schließlich zum basaltfelsengeschmückten Wasserfall. Der Nationalpark ist durchaus beliebt und man begegnet dort zur Abwechslung mal wieder ein paar Menschen. Macht aber nichts, ab und zu tut das auch ganz gut nach vielen einsamen Stunden alleine auf Islands Straßen :)

Skaftafell nationalpark

 

Jökulsarlon

Der Gletschersee Islands war sicher einer meinen absoluten Höhepunkte auf der gesamten Reise. Mit dem Amphibienfahrzeug haben wir den See mit seinen vielen, großen, schwimmenden Eisbergen  durchquert und ein paar interessante Infos von unserem netten Guide zum Gletscher und über Island bekommen. Allgemein sind die Menschen in diesem Land so herzlich und freundlich und sprechen ausgesprochen gutes Englisch. Es war immer wieder eine Freude mit Einheimischen zu sprechen. Neugierigen Robben begleiten das Fahrzeug und strecken immer wieder ihre Köpfe aus dem Wasser. Ich habe mich unmittelbar in diese flinken, eleganten und süßen Lebewesen verliebt und könnte diese stundenlang beobachten. Wir haben ohne Ticketreservierung noch Tickets für eine Tour bekommen, allerdings würde ich wohl für das nächste Mal eine Reservierung über das Internet im Vorhinein empfehlen. Es wäre schade gewesen, auf die Bootsfahrt über den Gletschersee verzichten zu müssen.

Eine wunderschöne Reise mit atemberaubender Landschaft – der Teil II zu meinem Island folgt bald in einem meiner nächsten Beiträge. Seid ihr schon genauso begeistert wie ich?

Alles Liebe

Eure Lisa

 

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