Oktoberfest – Mein erstes Wiesn-Erlebnis

Münchner Oktoberfest

„Du warst noch nie am Oktoberfest? Wirklich nicht?“ Diesen Spruch durfte ich mir die letzten 10 Jahre in regelmäßigen Abständen anhören und ja als Salzburgerin ist das fast schon ein bisschen peinlich. Nein, wirklich nicht, war dann meine kleinlaute Antwort und meistens folgten ungläubige Blicke. Dabei wurde ich schon fast ein bisschen als Kulturbanause abgestempelt. Zu meiner Verteidigung – es ist ja nicht so, dass ich nie zum Oktoberfest wollte, aber irgendwie verging die Wiesnzeit jedes Jahr auf’s Neue einfach zu schnell und schon war die einmalige Gelegenheit wieder verpasst. Genug Kirtag- und Zeltfesterfahrung hätte ich in meinem Leben zwar schon gesammelt und 2 Dirndlkleider auch, aber trotzdem blieb das Oktoberfest bis jetzt ein unberührtes Territorium für mich.

Dieses Jahr sollte aber nun endlich meine Gelegenheit kommen, um das Oktoberfest, das es seit 1810 auf der Münchner Theresienwiese gibt, unsicher zu machen. Mit einem Reisebus machten wir uns auf den Weg zum Ort des Geschehens und meine Vorfreude war recht groß, obwohl ich eigentlich keine Vorstellungen hatte, was mich dort genau erwarten würde – außer ein paar Bierbänke, Zelte und natürlich Bier. Ich war mir unsicher, ob mir der Besuch unter Menschenmassen wirklich Glücksmomente bescheren würde, aber ich wurde eines besseren belehrt. Die Tradition, die Ausgelassenheit vieler Menschen, die Umgebung, der Adrenalinrausch oder die Musik stecken einen irgendwie an und das Glück lag wie so oft in den einzelnen erlebten Momenten, die Freude bereitet hatten. Der Weg zum Oktoberfest war gegen Mittag nicht schwer zu finden, einfach den anderen Trachtenträgern nach. Am Eingang gab es aber schnell einen ersten Moment der Ernüchterung – die Tasche ist zu groß und nach dem Motto „Du kommst hier nicht rein“ wurde mir erst mal der Eintritt verwehrt. Na toll – weit hatte ich es ja nicht geschafft, aber zum Glück gab es (fast überraschenderweise) direkt gegenüber eine Gepäckabgabe für Taschen und Rucksäcke. Mit 5 € weniger in der Geldbörse und ohne Tasche durfte ich nun doch endlich auf das Wiesngelände. In diesem Moment war ich wirklich sehr dankbar für meine kleine Hosentasche im Dirndl – wer hätte das gedacht und so gab ich dem Tag am Oktoberfest noch eine Chance.

O’zapft is

Ich hatte mir das Gelände zwar sehr groß vorgestellt, aber in Natura war es dann doch noch einmal ein ganzes Stück größer als gedacht. Überall roch es nach gebrannten Mandeln und Essen, an jeder Ecke gab es Buden mit Lebkuchenherzen und Leckereien, 100 Fahrgeschäfte und dann noch die vielen Festzelte. Wobei „Zelt“ aus meiner Sicht mehr als untertrieben ist, für das, was es schlussendlich wirklich ist. Das durfte ich dann direkt selbst erleben, da unser großes Ziel das Schützenzelt am Fuße der Bavaria sein sollte. Ein riesiger geschmückter Saal mit vielen Tischen offenbarte sich hinter einer Holzfassade und ich staunte nicht schlecht über die Größe. Mein erste Radlermass um fast € 10 lies auch nicht lange auf sich warten und so lies es sich zwischen gebratenem Hendl mit Kartoffelsalat (bloß keine Pommes bestellen – das gibt nur böse und fragende Blicke vom Kellner), zünftiger Musik aus Salzburg und ausgelassener Stimmung recht gut dort aushalten. Natürlich ist es sehr bequem, wenn man dem  Trubel draußen entfliehen und von einem eigenen Tisch profitieren kann. Ist das Zeitfenster für die Tischreservierung jedoch abgelaufen, wird man recht schnell verabschiedet und der Tisch wird kaum bei der Türe raus schon für die nächsten Gäste vorbereitet.

Frisbee, Schokofrüchte & Co

In unserem Fall war das aber kein Problem, es gab ja schließlich noch ein paar andere Dinge außerhalb des Schützenzelts zu erleben. Eine Fahrt mit einigen Fahrgeschäften wie z.B. der Zuspitzbahn oder dem Frisbee, was mich als Angsthase doch einiges an Überwindung gekostet hat, ist fast ein Muss und nach ein bisschen Überredungskunst hatte ich wirklich Spaß dabei. Auf den Kettenprater oder die Achterbahn habe ich aber dann doch lieber verzichtet. Schokofrüchte und gebrannte Mandeln mussten natürlich auch noch sein, bevor es dann, glücklicherweise mit Tasche, langsam aber sicher wieder Richtung Heimat ging. Die Zeit verging plötzlich wie im Flug.

Mein Wiesnfazit ist sehr positiv und ich hatte einen sehr spannenden Tag. Trotz stolzen Preisen für Getränke, Fahrgeschäfte und Co sowie der Abgabepflicht meiner Tasche (die übrigens eine normale Größe hatte) hatte ich wirklich viel Spaß. Natürlich, wie fast alles im Leben, ist der Spaßfaktor ausschlaggebend von den Personen abhängig, die die Erlebnisse mit dir teilen. Was das betrifft, kann ich mich wirklich nicht beklagen und ich würde sofort wieder fahren. Der nächste Wiesnbesuch wird auch bestimmt nicht erst wieder 25 Jahren warten müssen.

Und wer war von euch heuer am Oktoberfest 🙂 ?

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