Blick in die Zukunft

Familie, Autobahnen und andere komplizierte Dinge im Leben, die trotzdem verdammt glücklich machen

Auf der Straße des Lebens

Das gleichmäßige Rauschen des Motors. Die scheinbar endlose Autobahn vor mir. Einen kurzen Blick in den Rückspiegel. Die Musik meiner Playlist in meinen Ohren. Ich habe überhaupt nichts gegen Autofahren und lange Strecken auf der Autobahn. Ganz im Gegenteil, es hat zum Teil eine beruhigende Wirkung auf mich. Du fährst einfach und hast das Gefühl, dass du frei bist. Egal wo hin du willst und wie lange du willst. Stehenbleiben, umdrehen, zurückfahren – alles ist möglich (ok fast immer – vielleicht nicht direkt auf der Autobahn). Vielleicht haben Roadtrips deswegen so einen großen Reiz auf viele Menschen, da sie etwas anders sind als das Leben. Man fährt von der Autobahn ab, steigt aus, wenn es zu viel wird, legt den Gang ein und fährt weiter, wenn es sich richtig anfühlt. Man kann auch noch einmal umdrehen und eine Strecke zweimal fahren, wenn einem danach ist. Schon auf Island mochte ich diese Form des unabhängigen Reisens mit dem Auto. Natürlich reden wir hier nicht von endlosen Staus, Baustellen, Leuten, die nur auf der linken Spur der Autobahn fahren, Drängler, Wahnsinnige, Geisterfahrer, katastrophalen Wetterbedingungen, Umweltverschmutzung und was es sonst noch alles so gibt – ja da hört sich der Spaß schnell auf. Aber nein, lasst uns mal darüber hinwegsehen und auf die positiven Dinge konzentrieren. Mit einer Portion grenzenlosem Optimismus finde ich die Freiheit beim Autofahren irgendwie super.

Rückwärtsgang oder Neuanfang?

Diesmal hatte ich das Gefühl, zurück in die Zukunft zu fahren. Zu meinen Wurzeln und irgendwie doch komplett ins Neuland. In mir hat sich eine innere Ruhe ausgebreitet, und teilweise war ich selbst überrascht, woher diese plötzlich kam. Ich war auf dem Weg zu einer –für mich- ganz speziellen Begegnung mit einem besonderen Menschen. Ich hatte mir schon oft ausgemalt wie es wohl sein wird, wenn wir uns nach so langer Zeit gegenüberstehen. Über was wir sprechen würden und ob wir eine Verbindung zu einander haben könnten. Familienkonstrukte sind irgendwie seltsam. Man wird hineingeboren, ohne unmittelbar Einfluss nehmen zu können. Man fühlt sich verbunden, ohne vielleicht eine richtige Verbindung zu haben. Und die Vergangenheit holt einen schließlich immer wieder ein. Familienbände sind etwas Besonderes und unglaublich schön, aber können auf der anderen Seite auch regelrecht kompliziert und ermüdend sein. Es gibt viele Formen von Familie und jeder hat dazu seine eigenen Ansprüche und andere Vorstellungen. Das ist oft genau das Problem in Kombination mit Missverständnissen und fehlender Kommunikation. Irgendwie der Klassiker. Die Kunst ist, einen Weg für sich selbst zu finden, mit diesem Beziehungsgeflecht umzugehen. In wie weit einen die sanften Fäden des Netzes auffangen, wenn es so dringend notwendig ist oder wann sie dich wie ein Gefangener förmlich in Ketten legen, das hängt von einem selbst ab. Für mich gab es an diesem Wochenende nur einen Weg und diesmal war es nicht der Rückwärtsgang.

Die Familie prägt einen, ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens und schon gar nicht selbstverständlich. Dieses Wochenende hat mir gezeigt, dass egal wie kompliziert es auch oft sein mag, man immer einen Neuanfang wählen kann und es sich lohnt. Jeden Tag kann man sich dazu entscheiden und passend zum Jahresanfang habe ich diesen beschlossen. Ich wollte all diese negativen Gefühle hinter mir lassen, nicht länger an mir zweifeln und die Vergangenheit abrechnen. Denn eines ist gewiss, es gibt den Moment, wo alles zu spät ist. Den Moment, wo man sich denkt „Hätte ich doch…“, aber man eben nicht mehr zurück in die Vergangenheit kann. Man kann eben nicht einfach umdrehen und die Strecke noch einmal zurückfahren, da man vielleicht eine wichtige Abzweigung verpasst hat. Warum also nicht lieber den mühsamen Ballast abwerfen, eine neuen Weg einschlagen und die wertvolle Zeit nutzen, die man noch hat? Vergeben, verzeihen, danke sagen, sich Dinge eingestehen, ehrlich zu sich selbst sein, reden, sich entschuldigen, abschließen und neu anfangen. Dabei hilft oft ein Perspektivenwechsel und das sind schließlich die Geschichten, die das Leben schreibt und die wir später ohne Reue erzählen können. Und was wäre das Glück ohne Familie? Für mich unvorstellbar.

Ich wünsche euch ein schönen Wochenstart.

Eure

Lisa

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