Wintermärchen

Wintereinbruch

Spät aber doch lässt sich der Winter nun endlich blicken und schneit ohne Vorwarnung zur Türe herein. Meiner Meinung hat er sich nun auch wirklich lange genug Zeit gelassen! Auch wenn ich es ganz und gar nicht ausstehen kann, in der Früh mein Auto von Schnee und Frost zu befreien, um anschließend noch im Dunklen in die Arbeit zu fahren, fast immer kalte Füße und Hände habe und Müdigkeit oft auf Sonnenmangel zurückzuführen ist, ist mir der Winter eigentlich doch ganz sympathisch. Zu mindestens zeitweise – bis ich nach den langen und dunklen Monaten genug von ihm habe und ihn am liebsten wieder in die Wüste zum Aufwärmen schicken würde.

Begegnungen, Eiszapfen und andere winterliche Dinge

In gemäßigter Dosis ist der Winter jedoch faszinierend und es überrascht mich immer wieder, wie anpassungsfähig unsere Natur ist und wie schön sich diese in ihrem weißen Kleid zeigt. Also habe ich diesen Tag nach anfänglichem Zögern für einen ausgiebigen Spaziergang genutzt, mich warm eingepackt und meine Kamera spontan in die Tasche gesteckt.

Es ist erstaunlich, wie viel man doch bemerkt, wenn man sich Zeit lässt, seine Umwelt bewusst wahrnimmt und nicht nur mit dem zielgerichteten Tunnelblick seine täglichen Wege beschreitet. Plötzlich erscheint alles ganz anders als sonst und man sieht die typischen Straßen und Wege mit anderen Augen. Auch sind Begegnungen mit Menschen möglich, mit denen man wohl sonst nie ins Gespräch kommen würde. „Fotografieren Sie gerne?“, wurde ich heute angesprochen, als ich gerade ich mein Fotomotiv vertieft war. Ein Mann, einige Jahre älter als ich, beobachtete mich bei meinem Versuch. Wir tauschten ein paar ungezwungene Worte über diesen  Wintertag aus und philosophierten ein paar Minuten über die positive Wirkung eines entspannten Spaziergangs sowie über die Dinge, die man währenddessen entdecken kann. Er hatte bereits ein Burn-Out erzählte er mir und lange Spaziergänge würden ihm helfen, dem Alltagsstress zu entkommen und Dinge anders wahrzunehmen. Schließlich setzten wir beide unsere getrennten Wege fort.

Dieser Tag hat mir wieder einmal gezeigt, wie wichtig solche Momente sind und wie glücklich die keinen Dinge im Leben machen. Egal wie dein persönlicher Zufluchtsort aussieht, oft kann man schon mit einem Spaziergang dem Alltagstrott entfliehen, still in den Dialog mit sich selbst gehen und wieder ein Stückchen zu sich selbst finden. Die frische Winterluft, die dich umgibt, die eisige Kälte, die sich auf deine Wangen legt, der Schnee der unter deinen Schuhsohlen knirscht und das kuschlige Fell des Esels, der neugierig auf dich zu trabt, tut sein übriges, um sich wieder entspannter zu fühlen. Notiz an mich selbst: viel öfter Winterspaziergänge machen. Es ist wohl doch etwas dran, dass der Winter die stille Zeit des Jahres ist. Zu mindestens wenn man sie zulässt.

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