Sonnenuntergang
das richtige Mindset

Älterwerden. Das Leben in den Jahren zählt – nicht umgekehrt

Hilfe – Quarter Life Crisis und Erwartungsdruck

Ich kann mich noch an jene Zeiten erinnern, in denen ich es kaum erwarten konnte, 18 zu sein. Endlich mein eigenes Auto fahren, mein Leben selbst entscheiden, die Schule hinter mir lassen, von zu Hause ausziehen und meine eigenen Long Drinks offiziell an der Bar bestellen. Wie schön war die Vorstellung, Erwachsen zu sein. Eine Welt mit scheinbar unendlichen Möglichkeiten und gefühlt unendlich viel Zeit.

Fast 10 Jahre später merke ich wie sich die Perspektive langsam verändert und die Welt um mich herum ebenfalls. Es geht plötzlich um Hochzeiten und Kinder, Wohnkredite, Jobwechsel und Burn-Out. Man hört Dinge wie: „Jetzt gehst du auch schon auf die 30 zu! Wahnsinn!“, „Wir sind zu alt dafür.“, „Die schönsten Jahre sind jetzt bald vorbei“, „Ich bekomme meine ersten Falten!“ und zum Teil verstehe ich die Welt nicht mehr. Alter und Älterwerden ist in unserer Gesellschaft ab einem bestimmten Zeitpunkt negativ behaftet.

Manch einer schlittert sogar in eine sogenannte Quarter-Life Crisis. Der Grund dafür ist finde ich sehr simpel. Hineingedrängt in Rollen und umgeben von Dingen, die andere scheinbar von einem erwarten, lasten oft schwer auf den noch jungen Schultern. Man soll parallel sein Leben in den Griff bekommen, sich in der Erwachsenenwelt zurecht zu finden, seine Ausbildung vorantreiben, den richtigen Job finden und Karriere machen, ins Ausland gehen, Familie gründen, die Welt bereisen, eine Wohnung kaufen oder ein Haus bauen, …Und wehe du verpasst das entsprechende Zeitfenster, dann bist du ja schon fast irgendwie am Ende deines Lebens angekommen und kannst ja gleich im Altersheim einchecken (Ironie aus). Kein Wunder also, dass manch einer überfordert und unglücklich ist und sich mit Mitte 20 denkt – wirklich jetzt? Kann ich denn nicht einfach wieder schaukeln gehen?

Blöderweise treten diese Lebenskriesen immer wieder auf. Nur die Themen und Lebensschwerpunkte verändern sich mit der Zeit. Es sind Ängste und Sorgen, die einen innerlich stressen und oft nicht loslassen wollen. Doch eigentlich sind sie total unbegründet und rückblickend denkt man sich dann meistens: „Meine Güte, was habe ich mir mit Mitte 20 unnötig Sorgen gemacht.“

Warum Älterwerden cool ist

Ob man sich Sorgen macht oder nicht – das Leben nimmt sowieso seinen Lauf und man wird älter. Man kann sich noch so sehr dagegen sträuben. Doch ist das wirklich schlimm? Ist es nicht schön, dass man schon so viele Jahre mit Leben füllen durfte und schon die eine oder andere Lebenserfahrung gesammelt hat? Und hätte das Leben denn seinen Wert, wenn es endlos wäre? Zudem hat das Älterwerden doch viele Vorteile, die man erst im Laufe seines Lebens erlangt.

5 Dinge warum du gerne Älterwerden solltest

Du kannst auf Erfahrung zurückgreifen – vielen Situationen hat man einfach schon mal erlebt und daher kann man besser mit notwendigen Entscheidungen umgehen oder Dinge einfacher akzeptieren. Zum Beispiel weiß man, dass die Welt nach dem ersten Liebeskummer nicht untergeht – möchte er in diesem einen Moment noch so schlimm sein.

Du kannst viel mehr als früher – wenn ich mich an meine Angst vor Präsentationen in der Schule erinnere, muss ich fast ein bisschen schmunzeln. Zitternd stand ich da draußen vor 15 Leuten und war unendlich nervös. Im Laufe meiner Berufserfahrung wurden Präsentationen schließlich zu meinem täglichen Brot und mittlerweile habe ich richtig Spaß daran gefunden.

Du bist selbst für deine Taten und Entscheidungen verantwortlich – alles was du tust oder nicht tust liegt in deiner Verantwortung. Keiner bevormundet dich und du kannst zu jeder Zeit dein Leben selbst gestalten (auch wenn sich das im Hamsterrad nicht immer so anfühlt). Die Erkenntnis ist unendlich wertvoll und sollte man nie vergessen.

Du bist entspannter – trifft bestimmt nicht immer auf alles zu, aber im Großen und Ganzen weißt du wie der Hase im Leben läuft (auf Grund der ersten beiden Punkte).

Du kennst dich selbst besser – immerhin hast du schon ein paar Jährchen mit dir selbst verbracht und weißt wie du in manchen Situationen reagierst, wie duch dich entspannen kannst oder was deine Träume und Visionen sind.

Was ich in meinem bisherigen Viertel-Leben (ja ich werde bestimmt 100!) lernen durfte, ist, dass das Leben immer in Bewegung ist. Dinge verändern sich, man selbst verändert sich und das Leben ist ständig im Fluss. Dagegen anzuhalten ist nicht nur unmöglich, sondern macht einen auf Dauer nur unglücklich. Viele Dinge muss man dabei auch loslassen (lernen).

Nein, ich werden wohl nie wieder 18 sein und muss mich von diesem Gedanken wohl oder übel verabschieden (außer es gibt doch irgendwann mal eine Zeitmaschine). Doch ehrlich gesagt ist das auch beruhigend. Wenn ich an die Erfahrungen der letzten Jahre denke, dann bin ich ganz froh, dass ich diese bereits gemacht habe. Dass ich mittlerweile besser weiß wer ich bin und was ich will. Dass ich weiß, was ich nicht will und was vielleicht nur Erwartungen anderer an mich sind. Manche Situationen sehe ich mittlerweile viel entspannter und weiß, dass auch wieder andere Zeiten kommen. Auch habe ich mittlerweile erfahren, was ich alles schaffen kann, wenn der Wille groß genug ist. Und ganz nebenbei kann ich mir immer noch die Nächte um die Ohren schlagen, oder in manchen Situationen noch ganz Kind sein.

Das Leben in unseren Jahren zählt

Also, Schluss mit diesen wenn-ich-älter-werde-geht-die-Welt-unter-Blödsinn. Schlussendlich zählen nicht die Jahre in unserem Leben, sondern das Leben in unseren Jahren. Für jeden einzelnen Tag davon sind wir selbst verantwortlich und egal ob mit 20, 50 oder 70 ist die Zeit, die wir haben wertvoll. Ob wir unsere Zeit mit Ängsten und Sorgen verbringen oder doch lieber nach allen Möglichkeiten genießen und das Leben so nehmen wie es ist, bleibt uns selbst überlassen.

Eine wunderbare Inspiration für mich ist übrigens Greta Silver. Eine tolle Frau, die mit 66 Jahren ihren YouTube-Channel gestartet hat und so positiv gestimmt ist. Das Interview von Greta Silver bei Gedankentanken hat mich wirklich inspiriert und mich noch mehr davon überzeugt, dass altern und „alt sein“ in unserer Gesellschaft zu negativ gesehen wird und eigentlich eine wunderbare Reise ist.

Eure

Lisa


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